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Gelnhäuser-Tageblatt vom 22.01.2003
"Wir haben die Natur auf unserer Seite"

Grüne Bundestagsabgeordnete Claudia Roth informierte sich am 21.01.2003 über
den Wasserraubbau im Vogelsberg
VOGELSBERG (an). Den Besuch der Grünen Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Bundesvorsitzenden Claudia Roth und des Grünen Landtagskandidaten Udo Rutkowski aus Birstein in der Hitzkirchener Firma Wisy AG nutzten gestern der Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft Vogelsberg, Dr. Hans-Otto Wack, und Ferdinand Junius vom Brachttaler Arbeitskreis Trinkwasser, die Bundespolitikerin auf den Wasserraubbau im Vogelsberg aufmerksam zu machen. Auf ihrem Wunschzettel, den sie Claudia Roth nach Berlin mitgaben, steht ganz oben: die Privatisierung des Wassermarktes zu verhindern.
Udo Rutkowski erinnerte daran, das die Vereinten Nationen das Jahr 2003
zum Jahr des Süßwassers erklärt hätten. Im Vogelsberg, der seit mehr als 100 Jahren als Wasserreservoir für Frankfurt diene, habe man ein ganz besonderes Gspür für dieses Thema. Der Brachttaler Arbeitskreis Trinkwasser sei "ein positives Beispiel für den Widerstand".
Ferdinand Junius schilderte, dass in Brachttal schon seit mehr als 25
Jahren Wasser für das Rhein-Main-Gebiet gefördert werde. Man habe zunächst den Versprechen geglaubt, dass keine Schäden entstehen, doch dann habe man gemerkt: "Den Wasserförderern geht es um die größt mögliche Menge, nicht um den Erhalt der Natur." Die Trinkwasserförderung diene eben nicht nur dem Allgemeinwohl, "man kann auch sehr gut daran verdienen." Aus ökologischer und ökonomischer Sicht sei es für Brachttal eine Katastrophe, dass für weitere 20 Jahre jährlich 2,6 Millionen Kubikmeter Trinkwasser gefördert werden dürfen. Dabei gebe es andere Möglichkeiten, das Rhein-Main-Gebiet zu versorgen. Die Trinkwassergewinnung aus Grundwasser sei nicht mehr zeitgemäß. In Bayern oder Baden-Würtemberg etwa werde bereits ein großer Teil des Trinkwassers aus Oberflächenwasser gewonnen, zum Beispiel aus Talsperren. Eine weitere Möglichkeit, Trink- und damit Grundwasser zu sparen sei die Nutzung des Regenwassers.
"Wasser kann man nicht mit Strom vergleichen", warnte Dr. Hans-Otto Wack
vor einer "Liberalisierung" des Wassermarktes. Die Schutzgemeinschaft sehe in einer Privatisierung des Wasserversorgung eine große Gefahr. "Die Trinkwasserversorgung gehört unter öffentliche Aufsicht. Die Bundesregierung sollte dazu eine klare Aussage machen." Claudia Roth versprach, dieses Anliegen an die Kollegen im Bundeskabinett weiter zu geben. Auch für sie hat der Schutz des Grundwassers eine große Bedeutung. 
Firmenchef Norbert Winkler schilderte, wie er in der Gemeindepolitik erleben musste, "wie zäh eine ökologische Entwicklung läuft", er habe beschlossen zu handeln. Auch mit ökonomischem Erfolg: Die Firma hat 50 Mitarbeiter, die Produkte werden in ganz Deutschland und Europa verkauft. Seit Roland Koch gehe es jedoch in Hessen mit der Regenwassernutzung zurück, anders in Nordrhein-Westfalen, wo in dieser Hinsicht eine andere Poiltik betrieben werde. Wer Regenwasser nutze, schone das Grundwasser und betreibe Hochwasserschutz, weil so ein Teil der Niederschläge zurück gehalten werde. "Man muss Bewusstsein in die Welt setzen", sagte Winkler. "Aber wir haben die Natur auf unserer Seite: Sie schafft Hochwasser."
 
 

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