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Regenwasser im Kloster Engelthal
Regenwassernutzung und Solartechnik haben mindestens zwei Gemeinsamkeiten: Sie sind Bestandteil zeitgemäßer ökologischer Architektur und sie sind in Deutschland mittlerweile soweit entwickelt, dass Architekten vorgefertigte Systeme vorfinden, und nicht mehr wie früher Anlagenkonzepte "stricken" müssen. Letzteres wurde erst dank hoher Stückzahlen Ende der 90er-Jahre erreicht. Ausschlaggebend dafür war die landesweite Förderung in Hessen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Hofstein und Nordrhein-Westfalen.

Auftraggeber und Bauherren haben unterschiedliche Motive, wenn sie Regenwassernutzung im Gebäude wünschen: Private Häuslebauer denken an Einsparung von Trinkwassergebühr und an Unabhängigkeit (beim Trinkwassernotstand 1992 und 1993 in Hessen war Gartenbewässerung mit Trinkwasser verboten!). Sie entscheiden aber oft emotional im Sinne der lokalen Agenda 21, Wirtschaftlichkeit ist sekundär. Anders bei öffentlichen Auftraggebern. Sie haben meist einen politischen Auftrag, diese Art Haustechnik einzusetzen. In der Regel wird die Amortisation innerhalb zehn Jahren gewünscht. Gewerbe- und Industriebetriebe wiederum können, je nach Branche, weiches Regenwasser im Produktionsprozess verwenden und gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Trinkwasserkosten werden gespart, ebenso die gebührenpflichtige Ableitung von Niederschlag bzw. die Investition für Versickerungsanlagen.
Eine weitere Gruppe sind die Kirchen und freien Träger von Einrichtungen. Sie hatten schon lange vor Agenda 21 ein eigen geprägtes Selbstverständnis zur Regenwassernutzung: Erhaltung der Schöpfung  ist ihr Synonym für ökologisches Handeln oder, wie bei Salem College in Überlingen und bei vielen Freien Waldorfschulen: Umweltschutz als praktizierter Teil der Pädagogik.

Kloster Engelthal (Gemarkung Altenstadt im hessischen Wetteraukreis): Die treibende Kraft war Herr Wilhelm, der technische Leiter, der sich auch privat für den Umweltschutz stark macht.

Zur Technik im Kloster Engelthal: Entwässert werden 1.200 m2 Dachfläche (Teilflächen von Zwischenbau, Gästehaus und der Kirche). Bis zu 70 m fließt das Regenwasser durch Betonrohre DN 200 dem Filter zu. Dazu kommen noch Niederschläge von 500 m2 asphaltierter Hoffläche. 25 m weiter sitzt der Regenspeicher mit einem Fassungsvermögen von 13 m3, zusammengesetzt aus 2 Betonzisternen mit je 6,5 m3 Volumen.

Kloster Engelthal und Umgebung
Kloster Engelthal und Umgebung
Foto: Kloster Engelthal
Montage des WISY Regenfilters WFF300
Montage des Regenfilters WFF300 im Kloster Engelthal    Foto: WISY

Hier entnimmt eine Doppelpumpanlage mit automatischer Steuerung das Spülwasser für derzeit 28 Toiletten. Ausgelegt ist die Versorgungstechnik auf später 50 Toiletten. Eine weitere Aufbereitung des Zisternenwassers ist nicht erforderlich; durch die Filtereinrichtung im Speicherzulauf wird Schmutz bis zu einer Feinheit von 0,38 mm abgesondert und mit dem "Erstverwurf" zusammen abgetrennt zum Schmutzwasserkanal.
Das bereits seit zehn Jahren vorhandene Prinzip des Wirbelfeinfilters (WFF) Gewähr leistet neben der Schmutzableitung auch zu Beginn eines Niederschlages die Abtrennung der ersten, stärker belasteten Wassermenge. Trotz selbsttätigem Abfluss muss in Wartungsintervallen von einigen Wochen oder Monaten, je nach Umgebung und Jahreszeit, der Einsatz des Filters herausgenommen und kurz gereinigt werden.
Für die Dimension dieses Projektes mit 1.700 m2 angeschlossener Fläche hätte vor zwei Jahren noch eine Reihe von vier WFF-Filtern parallel angeschlossen werden müssen. Allein in Hessen wurden von 1993 bis 1998 114 Einrichtungen wie Alten-, Jugend-, Freizeitheime, Kindergärten, Schulen, Jugendherbergen mit Regenwassernutzung im Gebäude ausgestattet.
Der Hersteller WISY AG im hessischen Kefenrod hat der steigenden Nachfrage bei öffentlichen Gebäuden mit einer Neuentwicklung Rechnung getragen. Der in Engelthal eingesetzte Filter kann 3.000m2 Dachfläche rückstaufrei entwässern. Durch die Umstellung der Abwassergebühren vom so genannten "Trinkwassermaßstab" auf den "gesplitteten" Tarif werden nun verstärkt Gewerbe- und Industriebetriebe umrüsten. Anstatt 3 Mark pro Quadratmeter versiegelter Fläche in Berlin oder Bonn pro Jahr zu zahlen, wird Niederschlag auf dem eigenen Gelände versickert und genutzt. Dabei gilt es, Synergieeffekte zu nutzen: Je mehr Regenwasser im Speicher bleibt, durch kontinuierliche Entnahme, desto weniger Versickerungsfläche muss angelegt werden! Das spart Investitionskosten und, in der Größenordnung der Regenwasserentnahme, noch Trinkwassergebühren dazu.

In Engelthal gab es keine staatliche Förderung; allerdings unterstütze die Gemeinde die Regenwassernutzung hier. An der Realisierung beteiligt war der Ausführungsbetrieb Carl Freitag, Gießen und Architekt Andreas Hein, Dreieich, als Bauleiter.

Filtereigenschaften:

  • Hydraulische Leistung: Die maximale Regenspende von 300 Liter pro Sekunde und Hektar, nach der Fallrohre und Dachrinnen in Deutschland bemessen werden, muss auch bei Filtern Gewähr leistet sein für rückstandsfreie Entwässerung, gemäß DIN 1986. Angabe meist in anschließbare Dachfläche. Bei WFF 150 z. B. 500.
  • Hydraulischer Wirkungsgrad: z. B. 90 % bei WFF, d.h. die Ausbeute beim Regenertrag im Jahresdurchschnitt.
  • Filterfeinheit: z. B. 0,28 mm bei WFF100, WFF 150 und 0,38 mm WFF 300.
  • Standzeit: Intervall bis zur nächsten Reinigung.

Dipl Ing. Klaus W. König
Beratender Ingenieur (EUR ING FEAN) 
und freier Architekt, Überlingen

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