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BUNDmagazin "Hessen-Seiten" [4-04]
Regenwassernutzung — Nachrüsten kein Problem
Die Regenwassernutzung im Gebäude oder auf dem Grundstück wird immer populärer. Schon jetzt nutzt fast jeder Gartenbesitzer das kostbare Nass aus der Regentonne für die Bewässerung im Garten. Weit sinnvoller ist es das Regenwasser auch im Haus für die
Toilettenspülung und die Waschmaschine zu verwenden.
Durch die ganzjährige Nutzung von Regenwasser auch im Haus ergibt sich ein wesentlich größerer Nutzeffekt. Weniger Waschmittel und Enthärter bei der Verwendung von Regenwasser in der Waschmaschine sind ein positiver Nebeneffekt für die Umwelt. Auf Weichspüler kann ganz verzichtet werden.

Bisher haben vor allem Häuslebauer von Neubauten die Regenwassertechnik entdeckt. Mit dem Aushub für die Baugrube wurde in den meisten Fällen auch gleichzeitig kostengünstig die Grube für einen Regenwasserspeicher mit ausgehoben. Damit ist das "Herzstück" einer Regenwasseranlage bereits installiert. Die Modulbauweise moderner Regenwassernutzungsanlagen ermöglicht eine zeitsparende und kostengünstige Montage. Speicher mit Filter und Einbauten sowie Regenwasserzentralen mit Druckerhöhung und Steuerung werden von der Industrie vorgefertigt geliefert. Eine gute Beratung und sorgfältige Ausführung durch das Fachhandwerk sind der Garant für eine betriebssicher funktionierende Anlage.

Nachrüstung im Bestand
Der nachträgliche Einbau einer Regenwassernutzungsanlage ist in vielen Fällen möglich. Wo man ohnehin neue Wände einzieht oder Bäder modernisiert wird in der Regel das Leitungsnetz ersetzt. (...) Dieses zweite Leitungsnetz ist die Grundvoraussetzung für die Regenwassernutzung im Gebäude. (...) Grundsätzlich ist das Leitungssystem farblich zu kennzeichnen (gesetzlich vorgeschrieben), dies gilt auch für die Verlegung unter Putz, damit keine Verwechselungsgefahr besteht. (...) Auch in bestehenden Bädern können, ohne Beschädigung der Fliesen, nachträglich Leitungen für die Regenwassernutzung eingebaut werden. (...) Sind nachträgliche Rohrleitungen im Bad nicht möglich oder erwünscht reicht es in der Regel aus, z. B. das Gäste-WC im Erdgeschoss und einen Anschluss für die Waschmaschine im Keller anzuschließen. Mit der Anbringung einer Außenzapfstelle für die Gartenbewässerung sind dann alle Anwendungsmöglichkeiten für die Regenwassernutzung betriebsbereit. (...) Die Regenwasserzentrale inkl. Steuerung, Pumpe und Trinkwassernachspeisung wird im Keller montiert. Schallisoliert mit einem flexiblen Anschluss sichert die Zentrale über die Nachspeisung mit Trinkwasser, das auch bei leerem Speicher die Anlage weiterhin funktionsfähig bleibt. (...)

Regenwasserspeicher
Der nachträgliche Einbau eines Regenwasserspeichers muss gut überlegt sein. (...) Außenspeicher sind zu bevorzugen, da hier das Regenwasser kühl und dunkel lagern kann. Im anderen Fall kann eine Innentankanlage eingebaut werden. (...) Wichtig ist, das die Behälter dunkel sind und die Leitungsführung fachgerecht eingebaut wird. Besonders wichtig bei Innentankanlagen ist die Rückstausicherung. (...)

Planung und Ausführung
Alle verfügbaren Dachflächen sollten bei Ein- und Zweifamilienhäuser angeschlossen werden. Eine Filterung des Regenwassers vor Eintritt in den Speicher verhindert das z.B. Laub, Holzteile oder Staub in den Speicher gelangen. (...) Für die Bemessung sind im Wesentlichen die Größe der angeschlossenen Dachfläche, die örtliche Niederschlagsmenge und der Regenwasserbedarf zu beachten. Bei der Planung helfen das Fachhandwerk und entsprechende Broschüren der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung weiter. Seit April 2002 gibt es die DIN 1989, die als Planungsgrundlage für die Ausführung der Anlagen dient. Seit dem 1. Januar 2003 gilt die neue Trinkwasserverordnung — danach müssen Regenwassernutzungsanlagen dem zuständigen Gesundheitsamt mitgeteilt werden. Die fbr hält dazu ein entsprechendes Formblatt bereit.
Langjährige Erfahrungen haben gezeigt, dass Regenwassernutzungsanlagen über längere Zeiträume zuverlässig funktionieren. Wie bei allen technischen Systemen sind regelmäßige Inspektionen oder Wartungen notwendig. In erster Linie betrifft dies die regelmäßige Kontrolle des Filters. Die Reinigungsintervalle sind gemäß Herstellerangaben durchzuführen. Im weiteren sind die Pumpensteuerung, die Füllstandsanzeige und die Laufruhe der Pumpe und soweit möglich die Dichtheit der Anlage zu prüfen. Können die vorgesehenen Inspektionen nicht selbst vorgenommen werden, sollte ein Fachunternehmen mit der Durchführung beauftragt werden.

Kosten und Wirtschaftlichkeit
Für eine Standardanlage im Einfamilienhaus sind ca. 4.000 bis 5.000 Euro einzuplanen. Dem gegenüber stehen die Efsparnisse bei Trink- und Abwassergebühren. (...) In der Regel ist von einer Amortisationszeit von 10 bis 20 Jahren auszugehen. Der nachhaltige Umgang mit der Ressource Wasser und der ökologische Nutzen für die Umwelt sind nicht mit Geld zu bewerten. Generell ist davon auszugehen, dass die Gebühren für Trink- und Abwasser weiter ansteigen werden. (...)

Dipl. -Geograph Dietmar Sperfeld,
Fach vereinigung Betriebs- und
Regenwassernutzung e.V. (fbr), Darmstadt

Hersteller und Dienstleister der Regenwassernutzung
sind in dem neuen fbr-Branchenführer bundesweit auf gelistet. Ebenso hat die fbr eine Marktübersicht zu Produkten der Regenwassernutzung und -versickerung für Bauherren erstellt. Beide Veröffentlichungen sind über die fbr-Geschäftsstelle, Havelstr 7A in 64295 Darmstadt oder unter www.fbr.de zu beziehen.